Schüleraustausch bringt einem fremde Kulturen näher

Gestern sah ich mir gemeinsam mit meiner Tochter eine Sendung im Kinderprogramm an. Es ging um das Thema Schüleraustausch. Zunächst wurden deutsche Austauschschüler vorgestellt. Vor dem Austausch besuchten die Jugendlichen einen Kurs, in dem sie auf die Besonderheiten des Gastlandes hingewiesen wurden. Interessant fand ich, dass erklärt wurde, dass amerikanische Eltern erwarten, dass Anweisungen genau und ohne Diskussionen befolgt werden. In Deutschland spielt sich das nach meinem Gefühl anders ab. Hier wird versucht, Jugendliche zur Diskussion zu ermutigen und zu eigenständigem Denken und Handeln, spätestens ab einem Alter von 16 oder 17 Jahren. Das amerikanische Eltern da so strikt sind, war neu für mich.

Ein Mädchen kam für ein halbes Jahr zu einer Gastfamilie nach Kalifornien. Nachdem sie zuerst unter großem Heimweh litt und alles ganz furchtbar fand, gefiel es ihr am Ende so gut, dass sie am liebsten dort geblieben wäre. Ein Lehrer der amerikanischen Schule erzählte, dass die deutschen Austauschschüler von allen Austauschschülern am wenigsten Probleme mit der englischen Sprache hätten. Das Mädchen berichtete noch, dass der Sportunterricht dort nicht zu vergleichen wäre mit dem Unterricht in Deutschland. Dort ständen z. B. auch Spazierengehen und Bowling auf dem Programm, was bei uns Freizeitbeschäftigungen sind.

Ein deutscher Jugendlicher war zum Austausch in Sydney. Ihm hingegen gefiel es von Anfang an ausgesprochen gut dort. Er fand toll, dass die Australier so sportbegeistert sowie sehr offen und gastfreundlich sind.

Im Gegenzug wurden dann Jugendliche befragt, die in Deutschland zum Schüleraustausch waren.

Ein Mädchen aus Malaysia erzählte, dass sie gewöhnt war, von morgens bis abends in der Schule zu sein und anfangs nicht wusste, was sie in ihrer Freizeit machen sollte. Nach einiger Zeit lernte sie, ihre Freizeit aktiv zu gestalten und sie erzählte, dass sie sehr gerne Karten spiele und es toll finde, dass in Deutschland viel Karten gespielt wird. Befremdlich fand sie, dass sich in Deutschland häufig auf der Straße geküsst wird. In ihrer Heimat sieht man selten küssende Menschen auf der Straße.

Ein Mädchen aus Kolumbien sprach ausgezeichnetes Deutsch. Sie erzählte, dass ihr aufgefallen sei, dass in Deutschland sehr viele Taschentücher benützt werden. Anfangs konnte sie das nicht verstehen, bis sie mit dem deutschen Wetter und den damit einhergehenden häufigen Erkältungen vertrauter war. Sie zog dann die Nase hoch. Als ihre Gastmutter sie bat, Taschentücher zu nehmen, war ihr das sehr peinlich. Ich finde, es muss ihr nicht peinlich sein. Woher soll sie so etwas wissen, wenn in ihrem Land andere Dinge üblich sind? Wir würden uns in ihrer Heimat vermutlich auch nicht immer korrekt benehmen. Außerdem musste sie erfahren, dass Pünktlichkeit in Deutschland hoch angesehen ist. Sie erfuhr, dass Busse pünktlich fahren und man auch ansonsten sehr pünktlich ist. Anfangs verpasste sie oft den Bus und kam zu spät, aber später wusste sie Pünktlichkeit zu schätzen und fand sie gut.

Einem Jungen aus der Türkei fielen besonders die verschiedenen Haarfarben und Haarschnitte auf. Eine solche Vielfalt war er aus der Türkei nicht gewohnt.

Die Sendung hat bewusst gemacht, dass es nicht nur wichtig ist, die Sprache eines anderen Landes zu erlernen, sondern auch dessen Kultur zu verstehen und zu akzeptieren, wenn man sich dort wohl fühlen will. Man sollte offen für fremde Kulturen und Sitten sein, ansonsten hat das Lernen von Fremdsprachen in meinen Augen nicht viel Sinn. Bevor man in ein fremdes Land fährt, sollte man sich unbedingt mit den Sitten und Gebräuchen vertraut machen.

Text und Audio dieses Beitrages findet man auch in der Sammlung „Veras Corner“ in der deutschen Bibliothek von LingQ:
http://www.lingq.com/learn/de/store/lesson/68973

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