Warum mit LingQ auch mein Deutsch besser wird

Ich war immer gut in Deutsch und habe das Fach auch in der Schule geliebt. Lesen war lange Zeit mein absolutes Lieblingshobby und ich lese auch heute noch gerne. Ich glaube, das ist auch einer der Gründe, warum ich viele Dinge intuitiv richtig mache, ohne dass ich mich intensiv mit deutscher Grammatik beschäftigt habe. Wir hatten das zwar auch in der Schule, aber ich gebe zu, dass ich die Grammatikstunden nicht so sehr mochte. Viel lieber habe ich mich mit Texten beschäftigt.

Seit ich für LingQ Deutsch-Lektionen erstelle und als Tutor arbeite, habe ich mich viel mehr mit meiner Muttersprache beschäftigt und mir viele Gedanken dazu gemacht. Ich habe mir überlegt, was ein Deutschlernender wissen sollte und was ihm vielleicht Probleme machen könnte. Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht, welche Strukturen einfach und welche kompliziert sind. Aber dazu musste ich auch das ein oder andere nachschlagen. Geholfen haben mir dabei auch die Rückmeldungen der Deutschlernenden und der deutschen Muttersprachler, die mich gelegentlich auf Probleme aufmerksam gemacht haben. Ich habe das stets als Anregung aufgefasst und versucht, die Lektionen immer wieder zu verbessern.

Dann habe ich aber auch festgestellt, dass einem das Lernen einer anderen Sprache und deren Grammatik, die Besonderheiten der eigenen Sprache viel bewusster werden lässt. Französisch kennt zum Beispiel auch die Konjugation der Verben und unterscheidet zwischen zwei Geschlechtern bei den Nomen. Im Deutschen kennen wir sogar drei Geschlechter. Der besitzanzeigende Artikel im Französischen hängt nur vom Nomen ab; im Deutschen hingegen hängt er nicht nur vom Geschlecht des Nomens ab, sondern auch vom Geschlecht des Besitzers. Beim Satzaufbau finde ich das Französische dem Deutschen oft näher als das Englische und auch die Art und Weise, wie man Dinge ausdrückt, sowie einige Redewendungen ähneln sehr dem Französischen. Das liegt wohl daran, dass das Französische einigen Einfluss auf das Deutsche nehmen konnte, da es lange Zeit die vorherrschende Sprache an den deutschen Fürsten- und Königshöfen war. Auch bei den Zeiten und wie diese gebildet werden, empfinde ich das Französische ähnlicher dem Deutschen.

Das Englische steigert Adjektive ähnlich wie wir es im Deutschen tun. Darüber hinaus wird einem beim Lernen von Englisch bewusst, dass im Deutschen Dinge oft mit viel mehr Worten ausgedrückt werden. Das merke ich besonders beim Übersetzen von englischen Texten ins Deutsche. Dafür sind wir oft viel präziser in der Ausdrucksweise.

Insbesondere bei der Korrektur von Schreibarbeiten sehe ich genau, was den Lernenden Probleme bereitet und ich muss ja nicht nur korrigieren, sondern auch eine Erklärung liefern, warum etwas falsch ist und wie es richtig ist. Um keine Fehler zu machen, suche ich oft im Internet die entsprechende Grammatikregel, die meine Korrektur belegt. Zum Glück gibt es im Internet zahlreiche Quellen, wo man etwas über die Grammatik nachlesen kann.

In meinem Profil verlinke ich auch auf meine Blogs, wo ich Links zu einigen Seiten aufgeführt habe, die ich gerne verwende.

Text und Audio dieses Beitrages findet man auch in der Sammlung „Veras Corner“ in der deutschen Bibliothek von LingQ.
Folge 45, Warum mit LingQ auch mein Deutsch besser wird:
http://www.lingq.com/learn/de/store/lesson/330034/

Umgangssprache, Slang und fluchen

Im Forum lese ich öfter, dass Sprachenlernende auch daran interessiert sind, Slang oder Umgangssprache zu lernen oder sogar, wie man auf Deutsch flucht. Sie wollen lernen, wie sich Muttersprachler unterhalten; sie wollen die ‚wirklich‘ gesprochene Sprache lernen. Ich bin da sehr zwiegespalten, ob man so etwas lehren sollte, denn um das in einer Sprache richtig zu beherrschen, muss man diese nicht nur sehr gut sprechen, sondern man muss auch etwas über die Kultur des Landes wissen. Man muss einschätzen können, in welchem Kontext diese Art Sprache akzeptabel ist und wann nicht.
Es kommt zum Beispiel sehr darauf an, mit wem ich spreche. Während ich zu meiner Schwester schon mal „Was für ein Scheißwetter“, „Das neue Programm ist echt geil“ oder „Mann, ist das cool“ sagen kann, würde ich das nie zu meinem Chef oder einem Arbeitskollegen sagen. Das Wort „Scheiße“ verwendet man wirklich nur in einem sehr, sehr zwanglosen Umfeld. Und selbst da versuche ich das Wort nicht zu verwenden und ich versuche auch meine Tochter dahingehend zu erziehen, dass man das nicht sagt. Wenn es mir mal rausrutscht, ärgere ich mich darüber. Ich muss schon emotional stark involviert sein, damit ich so etwas sage. Ich weiß aber, dass meine Nichten im Teenageralter dieses Wort untereinander verwenden, ohne sich etwas dabei zu denken. Wie ich schon sagte kommt es also sehr darauf an, mit wem ich rede.
Viel und heftig zu fluchen gilt als Zeichen schlechter Erziehung, vor allem im öffentlichen Leben. Im Beruf oder in förmlichen Situationen sollte man es daher komplett vermeiden. Und das gilt für die meisten Wörter der Umgangssprache oder des Slangs.
Vorsichtig muss man erstrecht mit Schimpfworten sein. Sagt man „Idiot“, „blöde Kuh“ oder etwas ähnliches, gilt das als Beleidigung, und kann richtig teuer werden, wenn man angezeigt wird. Man wird dann mit einer Geldstrafe in nicht unerheblicher Höhe belegt, insbesondere wenn man einen Beamten beleidigt hat. Das gleiche gilt übrigens auch, wenn man jemandem den Vogel oder den Stinkefinger zeigt. Zeigt man jemandem den Vogel, tippt man sich mit dem Zeigefinger an die Schläfe. Dahinter verbirgt sich die Redewendung „Du hast einen Vogel“, was bedeutet man hält jemanden für verrückt. Den Stinkefinger zeigen bedeutet, dass man eine Faust macht und dann den Mittelfinger nach oben streckt und dem anderen zeigt.
Eine häufige Empfehlung ist Fernsehen zu schauen, um die Umgangssprache zu lernen. Mir ist aufgefallen, dass diese Empfehlung nicht immer gut ist, zum Beispiel wird in deutschen Krimis überdurchschnittlich viel geflucht. In meinem Umfeld wird definitiv deutlich weniger und deutlich weniger deftig geflucht.
Noch schlimmer ist es bei Serien, die aus den USA oder anderen Ländern kommen. Hier wird ja etwas übersetzt, das aus einer anderen Kultur stammt und versucht, das dann ins Deutsche zu transportieren. Dabei wird häufig nicht berücksichtigt, dass dieses Verhalten in Deutschland nicht angemessen wäre und vermutlich so nicht stattfinden würde. Während ich als Muttersprachler merke, dass das eine Sprache ist, die nicht angemessen ist, bezweifle ich doch sehr, dass das einem Deutschlernenden auffallen würde. Natürlich gibt es auch Serien, von denen man sich gutes Deutsch abschauen könnte, aber kann ich als Lernender beurteilen, was gutes und was schlechtes Deutsch ist? Dazu gehört schon sehr viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen in die Sprache.
Etwas anders verhält es sich mit der Umgangssprache. Beispielsweise das verkürzen von „eine“ zu „ne“ oder von „einer“ zu „ner“ ist gang und gäbe. Oder das zusammenziehen von „es“ mit dem Verb wie in „Wie geht es dir?“ zu „Wie geht’s dir?“ Auch „Nee“ statt „Nein“, „net“ statt „nicht“ oder „nix“ statt „nichts“ wird man oft hören. Hier gibt es allerdings starke regionale Unterschiede. Schreiben sollte man diese Verkürzungen nicht und als Deutschlernender würde ich das auch nur dann verwenden, wenn ich die Sprache schon recht sicher beherrsche.
Ich bin der Meinung, bevor man sich dem Thema Slang und Schimpfworte widmet, gibt es viele andere Dinge, die man über eine Sprache lernen sollte. Es gilt vorsichtig zu sein. Unter Umständen wirkt man eben nicht ‚cool‘, wenn man sich einer solchen Sprache bedient, sondern gilt als ungebildet, vulgär oder macht sich einfach nur lächerlich damit.

Text und Audio dieses Beitrages findet man auch in der Sammlung „Veras Corner“ in der deutschen Bibliothek von LingQ.
Folge 44, Umgangssprache, Slang und fluchen:
http://www.lingq.com/learn/de/store/lesson/192041/

Mein neues Android-Tablet

Eigentlich brauche ich gar kein Tablet, eigentlich frage ich mich sogar, wer überhaupt eines „braucht“, aber ich gestehe, ich war ein wenig neugierig auf die Tablet-Welt. Alle Welt redet vom iPad und von den Android-Tablets. Ich besitze einen PC, ein Handy, einen MP3-Player und mehrere MVP-Player, also Geräte, die auch Videos abspielen können. Außerdem besitze ich zusammen mit meinem Lebensgefährten einen älteren Laptop und ein 10″-Netbook. Wozu also noch ein Tablet? Denn „brauchen“ tue ich es, wenn ich ehrlich bin, eigentlich nicht.

Aber da ich im letzten Jahr sehr viel für LingQ getan hatte, hatte ich mir nach meinem Gefühl eine kleine Belohnung verdient, und ich beschloss deshalb mich nach einem Tablet umzusehen. Ein iPad kam nicht in Frage. Ich weiß, dass viele Anwender begeistert sind, aber ich bin weder ein Markenfetischist, noch ist mir der Preis egal und das iPad ist mir einfach zu teuer für etwas, das nur ein Spielzeug für mich ist. Außerdem wollte ich etwas Handlicheres. Unser Netbook hat die Größe von 10″ und ich wollte ein kleineres Tablet. Ich wollte etwas, das ich bequem in die Handtasche stecken kann. Also schaute ich mich unter den 7″ Tablets um.

Entschieden habe ich mich letztlich für ein Archos 70 Internet Tablet und zwar das Modell mit der 250 GB Festplatte. Es ist ein Android Tablet. Bei Android bin ich noch vorsichtig wegen der bekannten Sicherheitsrisiken. Deshalb achte ich darauf, welche Apps ich herunterlade und verzichte im Zweifelsfalle lieber auf eine App.

Bei meiner Entscheidung hat die Größe der Festplatte eine wichtige Rolle gespielt, denn bei dieser Größe lässt sich bequem auch eine größere Anzahl an Filmen auf dem Gerät abspeichern. Dabei ist das Gerät deutlich leichter als das iPad und vergleichbare Geräte. Auch das war mir wichtig. Wer möchte schon gerne viel Gewicht in der Handtasche mit sich herumschleppen?

Wann benutze ich nun das Gerät? Nun, vor allem benutze ich es, wenn ich verreise. Zuhause benutze ich lieber meinen PC und beim Autofahren benutze ich meinen kleinen, handlichen MP3-Player. Zum Lesen bevorzuge ich noch gedruckte Bücher und zum Spielen habe ich normalerweise keine Zeit. Aber wenn ich verreise, dann sieht es ganz anders aus. Ich habe dann viel mehr Zeit als sonst. Auch die Reisezeit kann gut genutzt werden. Zum Beispiel haben wir unsere letzte Reise mit dem Zug gemacht und da hatte ich sehr viel Zeit. Außerdem will man auf Reisen nicht soviel mit sich herumschleppen. Und so habe ich in den letzten beiden Urlauben mein neues Tablet mitgenommen.

Und wofür habe ich es nun benutzt? Ich benutze das Tablet für verschiedene Dinge.

Zunächst benutze ich das Tablet natürlich zum Musik hören und zum Hören von Podcasts.

Dann habe ich mir gelegentlich Videos angeschaut. Vor dem Urlaub hatte ich einige Folgen einer englischen Serie im Schulfernsehen angeschaut. Es ist eine Art Sitcom für Englischlernende und das habe ich mit meiner Tochter zusammen angeschaut. Wir hatten viel Spaß dabei und die Qualität des Displays ist wirklich beeindruckend. Man kann das Tablet sogar über ein HDMI-Kabel mit einem Fernseher verbinden und dann den Fernseher zur Anzeige verwenden. Aufgrund der kurzen Kabellänge finde ich das allerdings nicht so praktisch. Meinen „alten“ MVP-Player kann ich mit einer Fernbedienung bedienen und das ist wesentlich praktischer.

Außerdem habe ich mir einige eBooks heruntergeladen und mit dem Tablet gelesen. Das ging erstaunlich gut. So sparte ich mir Bücher mitzunehmen.

Ich habe mir auch einige Spiele auf das Tablet heruntergeladen. Ich habe manchmal dann ein Sudoko gelöst und meine Tochter konnte sich für einige der anderen Spiele begeistern.

Während des Urlaubs hatte ich Ideen für weitere Lektionen bei LingQ. Die habe ich dann einfach mit dem eingebauten Mikrofon und der Recorder-App aufgenommen und mir nach dem Urlaub dann in Ruhe angehört.

Nicht zuletzt habe ich im letzten Urlaub auch meine E-Mails mit dem Tablet ausgelesen. Über eine Telefonkarte haben wir eine UMTS-Verbindung hergestellt und hatten somit Zugriff aufs Internet. Ich habe auch mit dem Browser einige Zeit im Forum von LingQ gelesen und mich auch sonst ein wenig auf den LingQ-Seiten umgeschaut. Das hat alles super funktioniert. Ich war wirklich überrascht, wie gut LingQ auf dem Tablet funktioniert. Was leider nicht funktioniert ist das Abspielen der MP3-Dateien auf der Lektionenseite von LingQ und das Anlegen von neuen LingQs. Ich konnte mir jedoch die bereits angelegten LingQs anschauen. Die Geschwindigkeit dabei ist allerdings nicht so berauschend.

Praktisch sind auch einige Apps, die ich mir heruntergeladen habe, zum Beispiel ein Offline-Wörterbuch für Deutsch und Englisch. So kann ich bequem Wörter nachschlagen, auch wenn ich mal keine Internetverbindung habe.

Natürlich kann ich mit dem Tablet auch Office- und Pdf-Dateien lesen. Zum Ändern von Office-Dateien gibt es kostenpflichtige Apps, die allerdings nicht besonders teuer sind, aber ich habe dafür momentan keinen Bedarf.

Praktisch ist auch der Bilderbetrachter. Ich habe eine Auswahl meiner Fotos auf dem Tablet liegen und konnte sie dann meiner Arbeitskollegin zeigen, ohne ein Fotoalbum mitzunehmen oder sie auf dem PC anzuschauen. Das finde ich auch eine ganz nette Funktion.

Das Tablet verfügt auch über eine eingebaute Kamera. Zum Fotografieren ist es aber ungeeignet, denn die Kamera zeigt bei diesem Modell auf mich. Das ist also nur interessant, wenn ich mich selber aufnehmen will oder ich ein Videogespräch führe. Das habe ich aber noch nicht ausprobiert.

Mein Fazit: „Brauchen“ tue ich wirklich kein Tablet. Aber als Begleiter auf Reisen finde ich es ganz angenehm und unterhaltsam. Im letzten Urlaub habe ich nur noch das Handy, das Tablet und einen Fotoapparat mitgenommen und das war schon sehr praktisch. Ich persönlich finde die Größe von 7″ ideal. Mein Tablet ist vielleicht nicht das schnellste und es kann nicht alles, aber ich kann nur einer Rezension bei Amazon zustimmen, die sagt, dass dieses Tablet der Preis-/Leistungstipp unter den Tablets ist.

Noch ein Nachtrag: Bald gibt es übrigens ein neueres Modell von Archos. Zwei Monate nach dem Kauf hat der Hersteller bekannt gegeben, dass es bald ein Nachfolgemodell mit einer neueren Android-Version geben wird. Auf der einen Seite ist das natürlich ärgerlich, aber andererseits ist das bei technischen Neuheiten ja immer so. Es wird immer ein neueres Modell geben, welches mehr kann und leistungsfähiger ist. Also ärgere ich mich nicht, sondern genieße einfach mein neues Spielzeug, so wie es ist.

 

Text und Audio dieses Beitrages findet man auch in der Sammlung „Veras Corner“ in der deutschen Bibliothek von LingQ, Folge #043, Mein neues Android-Tablet
http://www.lingq.com/learn/de/store/lesson/139707

Zusatzinformationen zu meinem Archos 70 Internet Tablet:
http://www.archos.com/products/ta/archos_70it/index.html?country=de&lang=de
http://www.amazon.de/Internet-Kapazitiv-Multitouch-Display-Android-Lagesensor…
Und nein, ich bekomme keine Provision :-)

Raubt Schule die Freude am Englisch lernen?

Als ich Schüler war, habe ich Englisch nie gemocht, um nicht zu sagen, ich habe es gehasst. Es hat mir keinen Spaß gemacht. Das liegt nun mehr als 30 Jahre zurück. Doch nun wurde mir wieder vor Augen geführt, warum das so war.

Ich hatte damals einen überaus netten und motivierten Lehrer, durch den mir der Unterricht nicht total zur Hölle geriet. Er hat versucht, unser Interesse an Englisch zu wecken. Und ich glaube, ich hatte anfangs durchaus Lust und Interesse Englisch und später auch Französisch zu lernen. Aber die Schule hat mir diese Lust gründlich ausgetrieben. Und das, woran ich damals scheiterte, existiert leider auch heute noch in unseren Schulen, wie ich an meiner Tochter sehen kann.

Sie hatte bereits in der 3. und 4. Klasse der Grundschule Englischunterricht, aber in der Grundschule wird in diesem Fach nur spielerisch gearbeitet. Das Ergebnis war, dass meine Tochter nach zwei Jahren Englischunterricht nur die Zahlen kannte, einige Tiere und Farben bezeichnen konnte und einige wenige Ausdrücke kannte. Meiner Meinung nach hätte sie das ohne Anstrengung in ein oder zwei Monaten lernen können, aber das soll hier nicht das Thema sein.

Als ich mir ihren letzten Englischtest angeschaut habe, war ich erschrocken. Und zwar war ich erschrocken darüber, was und wie getestet wurde, denn das zeigt ja deutlich, auf was im Unterricht Wert gelegt wird. Getestet wurden vor allem Rechtschreibung und Grammatik. Klar, das sind Dinge, die man gut abprüfen kann. Aber wie wirkt sich das aus? In diesem Fall war es so, dass dieser Test extrem schlecht ausfiel. In einer Klasse mit 26 Schülern gab es allein neun Fünfen und eine Sechs. Die Lehrerin ist der Meinung, der Test sei nicht schwer gewesen. Möglicherweise war er das nicht. Darüber will ich gar nicht urteilen. Fakt ist jedoch, dass den Kindern nahe gebracht wird, dass Grammatik und Rechtschreibung essenziell wichtig beim Erlernen einer Fremdsprache sind und wenn man diese nicht beherrscht, man die Sprache auch nicht beherrscht. Denn nur das wurde in diesem Test abgeprüft.

Vielen Kindern wird es nun so gehen wie einst mir. Sie werden den Spaß am Englischunterricht verlieren und sich für „unbegabt“ halten. Ich dachte jahrelang, ich hätte kein Talent zum Fremdsprachenlernen. Nun, wo ich Englisch bei LingQ lerne, merke ich, dass ich durchaus Talent habe. Ich spreche mittlerweile fließend Englisch, vielleicht nicht perfekt, aber durchaus auf hohem Niveau. Also lag vieles bei mir auch daran, wie Englisch in der Schule unterrichtet wurde. Den Schwerpunkt auf Hören, Lesen und dann Sprechen zu legen ohne groß über Grammatik nachzudenken hat dazu geführt, dass ich in einem Jahr bei LingQ mehr Englisch gelernt habe, als in acht Jahren in der Schule und dass ich heute fließend sprechen kann, wovon ich früher nur träumte.

Dabei will ich keinesfalls die Bedeutung von Rechtschreibung und Grammatik leugnen und ich finde auch das Lernen von Grammatik wichtig. Aber das Hauptaugenmerk auf die Grammatik zu legen, das finde ich fatal. Vor allem, wo diese Kinder erst seit einem halben Jahr ernsthaft Englisch lernen. Ich vermute, es wird deshalb gemacht, weil man Grammatikkenntnisse relativ gut objektiv abprüfen kann. Aber rechtfertigt das den Schaden, der bei vielen Schülern dadurch angerichtet wird, nämlich dass sie das Fach ablehnen und nicht mehr mit Freude lernen? Ich bin immer gerne zur Schule gegangen und habe gerne gelernt. Aber Englisch habe ich gehasst. Nun weiß ich warum.

Ich bin mir sicher, es wird viele geben, die meine Meinung nicht teilen werden und finden, dass die Tests sein müssen. Ich schreibe hier über MEINE persönlichen Erfahrungen und ich schildere, wie sich der Englischunterricht bei mir ausgewirkt hat. Für mich kann ich die Frage in der Überschrift eindeutig mit „ja“ beantworten.

 

Text und Audio dieses Beitrages findet man auch in der Sammlung „Veras Corner“ in der deutschen Bibliothek von LingQ, Folge #042, Raubt Schule die Freude am Englisch lernen?
http://www.lingq.com/learn/de/store/lesson/128779

Eine Liste, was man nicht tun sollte, wenn man eine Sprache erfolgreich lernen will

Dieser Artikel ist eine Übersetzung eines englischsprachigen Artikels von John Fotheringham.
A NOT To Do List for Successful Language Learners: http://l2mastery.com/featured-articles/not-to-do-list

Text und Audio findet man in der Sammlung „Veras Corner“ in der deutschen Bibliothek von LingQ (einschließlich einer Übersetzung ins Englische):
http://www.lingq.com/learn/de/store/lesson/101341

John ist nicht nur ein Mitglied der Sprachenlernseite LingQ; er betreibt darüber hinaus auch einen überaus erfolgreichen Blog zum Thema Sprachenlernen. Einige Stellen des Originalartikels beziehen sich auf Tipps von seiner Webseite, die dort auf Englisch nachgelesen werden können. Der englischsprachige Artikel ist übrigens ebenfalls in der Bibliothek von LingQ verfügbar. Genug der Worte vorneweg. Hier kommt jetzt die Übersetzung von Johns Artikel:

Eine Liste, was man nicht tun sollte, wenn man eine Sprache erfolgreich lernen will

Hier folgt eine Top-10-Liste der Dinge, die man NICHT tun sollte, wenn man eine Fremdsprache lernt. Während es gewisse Unterschiede von Person zu Person gibt was funktioniert, sollten die folgenden Punkte von allen Sprachenlernenden vermieden werden:

1. Verwende NICHT mehr als 5% der Zeit auf Grammatik, Übersetzungen, Vokabellisten und andere offenkundige Informationen über die Sprache. Sprachen werden „erworben“, nicht gelernt. Und Spracherwerb gemäß seiner ursprünglichen Definition geschieht vollkommen unbewusst im Laufe der Zeit, sofern angemessener Input vorhanden ist. Was uns zu Nummer 2 führt.

2. Verwende KEINE Zeit auf Materialien, die zu schwer sind oder dich nicht interessieren. Motivation ist einer der wichtigsten Schlüssel für den Erfolg beim Fremdsprachen lernen und die beste Antriebsfeder für Motivation ist Interesse. Heutzutage ist eine Fülle von Lerninhalten frei zugänglich; du musst dich einfach nur danach umschauen (schaue auf languagemastery.com nach). – Anmerkung des Übersetzers: Solche Materialien findest du in Hülle und Fülle natürlich auch auf www.LingQ.com. – Ende der Anmerkung

3. Studiere NICHT in langen, unregelmäßigen Sitzungen. Gleich nach der Motivation ist Beständigkeit der wichtigste Faktor beim Sprachen lernen. Wenn du wenig Zeit hast (und wer hat das nicht?), ist es weitaus besser jeden Tag ein wenig zu lernen, als ab und zu im Monat eine Marathon-Studiensitzung einzulegen. Wenn du zum Beispiel nur 2 Stunden pro Woche für Sprachen lernen zur Verfügung hast, ist es weitaus besser 20 Minuten pro Tag an 6 Tagen pro Woche zu lernen anstelle der kompletten 2 Stunden an einem Tag.

4. Mache Dir KEINE Sorgen, zu früh zu sprechen. Obwohl fließend Sprechen können sicherlich das Ziel der meisten Sprachenlernenden ist, braucht das Gehirn einige Zeit zur Anpassung mittels ausreichendem Input, um in der Lage zu sein, sinnvollen Output zu produzieren. Babys hören für bis zu 2 Jahre aktiv der Sprache um sie herum zu, bevor sie ein einziges sinnvolles Wort äußern. Erwachsene können deutlich früher in die Output-Phase kommen, wenn sie den Anleitungen auf languagemastery.com folgen, aber sie sollten sich nicht selber zwingen (oder sich zwingen lassen) zu sprechen, bevor sie dazu bereit sind. Das ist vielleicht das einzig große Problem der traditionellen Sprachlern-Anleitungen: Von Schülern wird – lange bevor sie dafür bereit sind – erwartet zu sprechen, was eine große Angst auslöst und das Interesse und die Motivation der Schüler verringert.

5. Lerne KEINE aus dem Zusammenhang gerissenen Vokabeln. Um dem Gehirn die Möglichkeit zu geben, neue Wörter zu behalten oder zu verwenden, müssen sie gehört oder gelesen werden (vorzugsweise das erstere) und zwar viele, viele Male in sinnvollen Kontexten. „Begrenztes Lesen“ ist ein guter Weg um die Wiederholung der Schlüsselworte auf sinnvollem Weg zu erhöhen. – Hier eine Anmerkung des Übersetzers: Unter „begrenztem Lesen“ versteht man, dass man eine Vielzahl von Artikeln zum selben Thema liest. – Ende der Anmerkung.

6. Versuche NICHT, dir neue Wörter, das Alphabet, Schriftzeichen oder die Rechtschreibung durch Auswendiglernen zu merken. Wir haben 5 Sinne zur Verfügung: benutze sie! Integriere so oft wie möglich Geschmack, Berührung, Geruch, Gehör und Bewegung. Verwende die Vorstellungskraft um Beziehungen, Geschichten, Objekte usw. zu visualisieren. Je verrückter die Geschichte ist, desto einfacher wird sie sich im Langzeitgedächtnis einprägen.

7. Verlasse dich NICHT übermäßig auf das geschriebene Wort. Wann immer möglich versuche zuerst den Beitrag zu hören, bevor du ihn liest. Das trainiert dich darin, dich in erster Linie auf deine Ohren zu verlassen, und folgt damit eher dem natürlichen Spracherwerb (Erinnere dich: du lerntest zuerst deine Muttersprache zu sprechen und zwar lange bevor du lerntest, sie zu lesen!)

8. Schaue KEINE Wörter nach, bevor du nicht zumindest einen vollständigen Durchgang durch das Lese- oder Hörmaterial gemacht hast (oder jeden Abschnitt bei längeren Beiträgen). Nur wenn du einmal oder sogar zweimal durch bist, gehe zurück und schlage Wörter nach, die du nicht kennst. Wenn du den Wortfluss nicht unterbrichst, ist es leichter ein Gefühl für den Gesamteindruck zu bekommen. Und das bewahrt uns Wort-Besessene davor uns in zusammenhanglosem Vokabular und neuen Sprachverbindungen zu verlieren.

9. Lasse den „affektiven Filter“ KEINEN Dämpfer für dein Sprachenlernen spielen. Der affektive Filter ist ein fantasievolles Wort für ein einfaches und intuitives Konzept: deine Emotionen und dein psychologischer Zustand beeinflussen signifikant deine Leistung in einer Fremdsprache (oder jeder anderen Handlung, die auf unseren Fähigkeiten basiert, wenn wir schon bei diesem Thema sind). Wenn du nervös, verärgert, hungrig, müde oder beschäftigt bist mit dem Kampf, den du letzte Nacht mit deinem Lebensgefährten hattest, wird deine Fähigkeit, eine Fremdsprache gut zu sprechen, schneller abnehmen als der gegenwärtige Aktienmarkt. Andererseits bin ich sicher, dass du bemerkt hast, dass ein paar Schoppen deine Fähigkeiten in einer Fremdsprache zu kommunizieren signifikant erhöhen können. Warum? Weil Alkohol (ebenso wie Meditation, Übung und Erfahrung) bei leichten Hemmungen hilft und soziale Fähigkeiten wie mündliche Kommunikation steigert. Wenn dich dein Lehrer nervös oder dumm fühlen lässt, dann feuere ihn. Wenn dein Sprachenlernpartner die Logik in deinen falschen, aber nichtsdestotrotz intelligenten Fehlern nicht erkennt, dann ersetze ihn. Du wirst nie einen wirklichen Fortschritt machen, wenn du dich vor dem Sprechen fürchtest und nicht die Freiheit hast alle die wundervollen logischen – wenn auch fehlerhaften – Äußerungen zu machen, die den kindlichen und den erwachsenen Spracherwerb kennzeichnen.

10. Vergesse NICHT Spaß dabei zu haben! Sprachen lernen benötigt Zeit, aber es muss nicht schwierig sein. Wenn du den Tipps, die oben gelistet sind, folgst und denen auf languagemastery.com und dem Sprachen lernen mit einem Lächeln anstelle einer Grimasse begegnest, wirst du auch Erfolg haben!

Copyright 2010 von John Fotheringham. Weitere Tipps, Hilfsmittel und Techniken um jede Sprache zu beherrschen findet man auf languagemastery.com.

Herzlichen Dank an John Fotheringham für die freundliche Genehmigung diesen Artikel auf meinem Blog und bei www.LingQ.com verwenden  zu dürfen.

Text und Audio findet man in der Sammlung „Veras Corner“ in der deutschen Bibliothek von LingQ (einschließlich einer Übersetzung ins Englische):
http://www.lingq.com/learn/de/store/lesson/101341

The English version is available on LingQ too:
http://www.lingq.com/learn/en/store/41901/

The Polyglot Projekt – Das Polyglott-Projekt

Ich bin unter die Buchautoren gegangen. Ja, richtig – ich bin jetzt auch ein Buchautor oder vielmehr ich bin ein Autor unter vielen in einem Buch. Der Herausgeber des Buches ist Claude Cartaginese.

Ich hörte zum ersten Mal im Juni davon, dass Claude ein Buch mit dem Titel „The Polyglot Project“ herausgeben möchte. Dafür suchte er Co-Autoren, die eine oder mehrere Fremdsprachen sprechen. Die einzelnen Artikel sollten sich um das Thema Sprachen lernen drehen, also wie man selber Sprachen gelernt hat oder welche Tipps man für Sprachenlernende hat. Ich wurde von Claude persönlich angesprochen, ob ich nicht auch einen Artikel schreiben könne. Claude kannte mich durch meinen YouTube-Kanal und durch Jolanda, mit der ich einige Beiträge für den Podcast von GermanLingQ gemacht habe.

Ursprünglich zog ich meine Beteiligung an dem Buch nicht in Erwägung. Zum einen ist ein Polyglott jemand, der mehrere Fremdsprachen beherrscht und ich spreche nur Englisch und etwas Französisch. Aber Claude versicherte mir, dass er auch Artikel von Personen möchte, die nur eine oder zwei Fremdsprachen gelernt haben. Zum anderen stand unser USA-Urlaub bevor und bis Ende Juli hätte ich den Artikel nicht fertig schreiben können. Außerdem hatte ich das Gefühl nicht zu den vielen bekannten Autoren zu passen.

Doch nach dem Urlaub änderte sich die Situation. Einige andere LingQ-Mitglieder hatten Beiträge geschrieben und außerdem hatte Claude die Frist auf Ende August verlängert und so verfasste ich dann innerhalb weniger Tage einen Beitrag für das Buch. In diesem Beitrag erzähle ich, wie ich beim Lernen von Englisch und Französisch vorgehe und vorgegangen bin. Der Beitrag wurde von mir auf Englisch verfasst und inzwischen wurde er korrekturgelesen.

Die endgültige Fassung meines Artikels findet Ihr hier auf meinem Blog: http://sprachenlernen.verasblogs.com/the-polyglot-project-its-all-about-fun

Am Buch haben viele bekannte Polyglotte teilgenommen, ebenso wie auch zahlreiche LingQ-Mitglieder. Schaut doch mal rein!

Das gesamte Buch kann hier kostenfrei gelesen oder heruntergeladen werden:
Oder man kann es für $16,95 bei Amazon kaufen: http://www.amazon.com/Polyglot-Project-Learn-Multiple-Languages/dp/1453898247/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1289266787&sr=8-1

Auf Claudes Blog (http://syzygyonlanguages.wordpress.com) könnt Ihr mehr über das Projekt lesen oder schaut Euch die Videos auf seinem YouTube-Kanal (http://www.youtube.com/user/syzygycc) an.

Ein Treffen mit Steve

Letztes Wochenende habe ich Steve getroffen. Steve ist der Gründer von LingQ und war zum dritten Mal in Deutschland, seit ich Mitglied bei LingQ bin. Die anderen beiden Male hatte ich leider keine Zeit, weil ich arbeiten musste, aber diesmal war Steve über das Wochenende in Deutschland und das war für mich die Gelegenheit ihn zu treffen.

Steve war in Eichstätt, einer kleinen Stadt in Bayern. Die dortige Universität veranstaltete einen Kongress zum Thema Sprachenlernen, an dem Steve teilnahm. Es ging vor allem um bilingualen Unterricht, wie Steve erklärte. Bilingualer Unterricht bedeutet, dass der Unterricht in bestimmten Fächern in einer Fremdsprache erteilt wird. Solch eine Schule gibt es auch bei uns, zum Beispiel wird dort Sport und Erdkunde auf Englisch unterrichtet.

Eichstätt liegt knapp 400 Kilometer von meinem Wohnort entfernt und bei guten Verkehrsverhältnissen kann man die Strecke in weniger als dreieinhalb Stunden fahren. Jürgen war einverstanden mich zu begleiten, worüber ich mich freute, denn so musste ich die Strecke nicht alleine fahren. Am Freitag musste Jürgen noch arbeiten, aber gleich nach Feierabend fuhren wir los. Leider gab es sehr viele Baustellen und einige Staus und wir benötigten mehr als fünf Stunden für die Fahrt. In Eichstätt hatte ich kein freies Hotel mehr gefunden, aber ich hatte noch eine Ferienwohnung finden können, in der wir übernachteten.

Wir hatten uns für Samstagmorgen in Steves Hotel zum Frühstück verabredet. Zufällig war unsere Ferienwohnung nur gut hundert Meter von Steves Hotel entfernt, so dass wir zu Fuß dorthin gehen konnten. Ich war ein wenig aufgeregt, denn es war mein erstes persönliches Treffen mit Steve. Bisher hatte ich nur einige Male per Skype mit ihm gesprochen. Wir kamen kurz vor halb acht in Steves Hotel an und fragten die Bedienung, ob es möglich sei, am Frühstück teilzunehmen. Erwartungsgemäß war das kein Problem und sie zeigte uns einen passenden Tisch. Während wir auf Steve warteten tranken wir schon einmal einen Kaffee. Mit ein paar Minuten Verspätung erschien dann Steve und begrüßte uns sehr herzlich. Es gab sofort eine angenehme Atmosphäre und meine Nervosität legte sich. Steve erzählte, dass er fast verschlafen hätte. Der Jetlag machte ihm noch zu schaffen.

Steve ist sehr offen und zugänglich und das macht es leicht, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Wir frühstückten und redeten etwa eineinhalb Stunden miteinander. Dabei sprachen wir über alle möglichen Themen, natürlich auch über LingQ, aber auch über die Konferenz, über Autos, Reisen und vieles mehr. Wir sprachen die meiste Zeit Deutsch, denn ich weiß, dass Steve gerne seine Fremdsprachen praktiziert. Außerdem ist Jürgens Englisch noch nicht so gut und so konnten wir ihn mehr einbeziehen. Jürgen kannte Steve ja noch nicht und wusste nicht so genau, was auf ihn zukommt, aber er war angenehm überrascht und fand Steve sehr nett. Die Zeit verging wie im Fluge. Wir verabredeten uns beim Abschied für das Abendessen. Ich wollte die Gelegenheit nutzen, noch ein wenig Zeit mit Steve zu verbringen.

Steve musste dann zu seiner Konferenz und Jürgen und ich wollten die Gegend ein wenig erkunden. Zunächst machten wir eine Wanderung auf einen der umliegenden Berge. Eichstätt liegt übrigens im Altmühltal. Das Altmühltal ist bekannt für die Fossilien, die dort gefunden wurden. Die Landschaft ist recht reizvoll, wenn auch nicht sehr aufregend, aber man kann dort gut wandern. An diesem Samstag regnete es aber stetig, wenn auch nur leicht und so brachen wir nach knapp drei Stunden unsere Wanderung ab. Wir besuchten dann noch den Markt, der an diesem Wochenende abgehalten wurde, bevor wir uns in der Wohnung noch ein wenig mit Lesen die Zeit vertrieben.

Abends gingen wir wieder zu Steves Hotel und von da aus in die nahe Altstadt. Dort gibt es zahlreiche Restaurants und Steve hatte ein bestimmtes Restaurant im Sinn, in dem er schon am Vortag gegessen hatte. Wir waren uns einig, dass wir die lokale Küche probieren wollten und nicht italienisch, griechisch oder chinesisch essen wollten. Wir hatten Glück und es gab noch einen freien Tisch.

Während des Essens haben wir uns wieder über alles Mögliche unterhalten. Natürlich war auch LingQ ein Thema. Beim Update auf das neue Release hatte es wohl wieder einige Probleme gegeben, die ich jedoch nicht mehr mitbekommen hatte, da ich zu diesem Treffen aufgebrochen war. Steve erzählte mir, dass vor allem die Begrenzung auf 100 LingQs vor etwa einem Jahr zu einem Anstieg der zahlenden Mitglieder geführt hat und dass weiterhin die Gewinnung neuer Mitglieder höchste Priorität hat. Er berichtete auch über die Mitarbeiter, Ideen und Probleme. Es war wirklich ein schöner und interessanter Abend.

Es war eine weite und anstrengende Fahrt für Jürgen und mich, aber es hat sich gelohnt. Ich habe mich wirklich sehr darüber gefreut, Steve kennenzulernen. Die Zeit, die wir mit ihm verbringen konnten, war wirklich schön und kein „Pflichtprogramm“. Ich bin froh, dass ich mich entschlossen hatte, nach Eichstätt zu fahren. Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass ich leider gar keine Fotos von unserem Treffen gemacht habe. Wenn Steve wieder einmal nach Deutschland kommt und ich es möglich machen kann, werde ich mich mit großer Freude wieder mit ihm treffen und dann hoffentlich auch daran denken, ein paar Fotos zu machen.

Text und Audio dieses Beitrages findet man auch in der Sammlung „Veras Corner“ in der deutschen Bibliothek von LingQ, Folge #38, Ein Treffen mit Steve
http://www.lingq.com/learn/de/store/lesson/92042

Unser erstes Mal!

Wir haben es getan! Wir haben es zum ersten Mal getan! Wir schauten uns zum ersten Mal eine Episode von „Dr. Who“ auf Englisch an.

Vor einiger Zeit hatte Helen mir vorgeschlagen, die bekannte britische „Dr. Who“-Serie anzuschauen. Ich hatte das deutsche Fernsehprogramm geprüft, aber die Serie wurde nicht ausgestrahlt. Dann schaute ich bei Amazon nach und kaufte die komplette erste Staffel von „Dr. Who“. Wir lieben Science Fiction und wir mögen lustige Geschichten. Und nun lieben wir auch den Doktor, denn Dr. Who ist Science Fiction und dabei auch lustig!

Die ersten zwei Staffeln wurden synchronisiert. In Deutschland werden fast alle fremdsprachigen Sendungen synchronisiert. „Dr. Who“ wurde vor einiger Zeit ausgestrahlt, aber ich hatte ihn verpasst, weil er zu einer blöden Zeit kam. Es gab kaum Werbung und – welch ein Wunder – er war nicht erfolgreich. Der Fernsehsender stoppte die Serie und Staffel drei und die folgenden Staffeln wurden weder ausgestrahlt noch synchronisiert.

Kürzlich schauten wir die letzte Episode von Staffel zwei. Es gab keine weiteren synchronisierten Staffeln mehr. Wir fragten uns, was wir nun machen sollten. Ich erzählte Jürgen, dass es nur eine englische Version mit englischen Untertiteln gibt. Wir diskutierten das und entschieden uns, es auszuprobieren.

Gestern war der Tag! Es war das erste Mal, dass wir vor dem Fernseher saßen und gemeinsam eine Sendung in einer fremden Sprache ohne deutsche Untertitel anschauten. Und es war toll. Ich gebe zu, dass ich ohne die Untertitel Probleme hätte, weil sehr schnell gesprochen wird. Manchmal hatte ich sogar Probleme, die Untertitel zu lesen, weil es mir zu schnell ging. Aber ich konnte der Geschichte folgen und, noch besser, ich konnte sie genießen. Es gibt keine langen Dialoge, dafür aber viel Action. Ich denke, Dr. Who ist sehr unterhaltsam.

Ich wollte schon lange englische Sendungen im Original sehen, aber Jürgen hatte das abgelehnt, weil sein Englisch nicht auf meinem Niveau ist. Aber er mag Dr. Who so sehr, dass er sich entschloss, ihn auf Englisch zu schauen. Es war eine wirklich tolle Erfahrung.

 

Dies ist die Übersetzung des englischen Artikels „Our first time!“, den ich als Schreibarbeit bei LingQ eingereicht hatte. Die Korrektur stammt von Helen, einer meiner Betreuerinnen bei LingQ, die auch bekannt ist als die himmelblaue Teekanne (Skyblueteapot).

Hier der Link zum englischen Artikel:
http://lingqvera.posterous.com/our-first-time

Text und Audio gibt es in „Veras Corner“ in der deutschen Bibliothek,
Folge #36, Unser erstes Mal
http://www.lingq.com/learn/de/store/lesson/88548

Wie man Zeit gewinnt

Helen hat wieder einen interessanten Artikel in ihrem Blog. Es geht darum, wie man etwas Zeit zum nachdenken gewinnen kann, wenn der Betreuer eine Frage stellt, über die man erst einmal nachdenken muss. Wie immer ist der Beitrag sehr interessant und unterhaltsam geschrieben und darum will ich das Wesentliche daraus hier kurz wiedergeben. Einige Dinge habe ich angepasst, damit sie zur deutschen Sprache passen.

Helen schreibt, dass jeder in seiner Muttersprache etwa fünf Wörter benutzt, bevor er genau weiß, wie er eigentlich antworten will. Sie glaubt, dass Akademiker und Leute, die eine Fremdsprache lernen dazu neigen zu warten bis sie ihre Antwort beisammen haben, bevor sie anfangen zu sprechen. Wenn der Sprecher schüchtern oder ängstlich ist, wird eine weitere extra Sekunde vergehen, um noch mal alles zu überprüfen, bevor er antwortet. Schüchterne, kluge und gebildete Leute, die eine Fremdsprache sprechen benötigen also etliche Sekunden Bedenkzeit bevor sie eine einfache Frage wie „Sind Katzen bei den Leuten in Deinem Land beliebt?“ zu beantworten.

Eine Pause vor dem Antworten könnte den Gesprächspartner denken lassen, dass du dumm, nicht an der Sprache interessiert, betrunken, eingeschlafen oder in irgendeiner Art hypnotischer Trance versunken bist. Helen meint, es wäre vielleicht eine gute Idee, irgendwelche Geräusche von sich zu geben, während man nachdenkt.

Helen liefert auch gleich ein paar Beispiele, die ich in leicht veränderter Form gerne aufgreife:
1) Gib vor, die Frage nicht richtig gehört zu haben: „Sagtest du Katzen oder Ratten?“
2) Wiederhole die Frage mit nachdenklicher Stimme: „Mögen die Leute in Deutschland Katzen?“
3) Sage einfach: „Hm…..“
4) Sage: „Das ist eine sehr interessante Frage! Lass mich kurz darüber nachdenken.“
5) Sage: „Also, ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich würde sagen …“
6) Frage nach einer Verdeutlichung der Frage: „Meinst du, ob sie es mögen, Katzen als Haustiere zu halten?“
7) Gib die Frage an den Fragenden zurück: „Hm, ich bin mir nicht sicher. Wie beliebt sind denn Katzen in deinem Land?“
8) Antworte „Nein!“ mit selbstbewusster Stimme. Die Möglichkeit besteht, dass der Fragende das nicht erwartet hat. Leute neigen nämlich dazu ein „Ja“ als Antwort auf ihre Frage zu erwarten. Sie werden dann fragen „Warum mögen die Leute in deinem Land keine Katzen?“ Dann hast du allerdings vielleicht ein Problem, wie du da wieder herauskommst.
9) Erfinde eine glaubwürdige Lüge. „Katzen wurden vor zwanzig Jahren aus unserem Land verbannt. Wir halten stattdessen Meerschweinchen oder sehr große Hamster als Haustiere.“ Das klingt so unwahrscheinlich, dass du sicher sein kannst, dass der Fragende dich mehr dazu fragen wird. Das ist nützlich um eine Frage-Antwort-Situation in einer Prüfung unter Kontrolle zu bringen.
10) Erzähle eine Geschichte über dich oder deine Familie: „Mein Großvater war ein berühmter Katzenzüchter. Einmal verkaufte er eine Katze an Stalins Tante.“ Es macht nichts, wenn das nur am Rand mit der gestellten Frage zu tun hat, wenn die Geschichte nur interessant genug ist, um einige Minuten Zeit zu gewinnen. Auch das ist wieder nützlich in Prüfungen.

Wenn das nicht klappt:
11) Gebe dein Desinteresse oder deine Unkenntnis zu und mache weiter: „Ich habe wirklich keinerlei Ahnung davon, befürchte ich. Hast du eine andere Frage, die du mir stattdessen stellen kannst?“

Das funktioniert am besten, wenn der Fragende dich nicht kennt:
12) Äußere eine Meinung: „Katzen? Ich hasse Katzen! Sie haben Flöhe und die Leute geben Geld für sie aus, dass sie für Bedürftige spenden könnten.“ Du musst das nicht wirklich glauben, äußere nur etwas, dem die andere Person vermutlich zustimmt und wieder einmal hast du die Kontrolle über das Gespräch für die nächsten Minuten.

Wenn du total verzweifelt bist, kannst du immer Folgendes versuchen:
13) Eine vollkommen unterwartete Gesprächswendung: „Ich weiß nicht viel über Katzen. Mal ganz nebenbei, weißt du, dass mein Land bekannt dafür ist, Käse aus Mäusemilch zu machen? Pavarotti tritt nirgends auf, wenn er nichts davon in seiner Garderobe hat.“

Mit diesen vielen Ideen von Helen sollte eigentlich nichts mehr schief gehen, wenn man unvorbereitet eine Frage gestellt bekommt, denke ich. Ich danke Helen für die vielen Anregungen.

Die Vorlage zu diesem Text findet man in Helens Blog, der auf Englisch geschrieben ist.

 

Text und Audio dieses Beitrages findet man auch in der Sammlung „Veras Corner“ in der deutschen Bibliothek von LingQ:
http://www.lingq.com/learn/de/store/lesson/79814

Hier der Link zu Helens Blog-Eintrag:
http://tracesofdodo.blogspot.com/2010/06/what-to-say-when-words-fail-you-part-3.html

 

Warum sagt er nichts?

Ich lese oft in den Blog-Beiträgen anderer Mitglieder von LingQ. Dabei entdecke ich oft interessante Inhalte. Besonders Helens Blog mag ich sehr. Sie hat eine spezielle und sehr unterhaltsame Art zu schreiben. Heute hat mich ein Beitrag von ihr inspiriert, diesen Artikel zu verfassen.

Sie erzählt von einem Problem, vor dem ein Betreuer manchmal steht. Manchmal hat man einen Studenten, der nicht antwortet oder nichts sagt. Leider ist es aber nicht offensichtlich, warum er nicht antwortet. Dafür kann es ja mehrere Ursachen geben.

Antwortet er nicht, weil er die Frage nicht verstanden hat?
Oder antwortet er nicht, weil die Skype-Verbindung schlecht war und er mich nicht verstanden hat?
Oder antwortet er nicht, weil er noch überlegt oder weil er die Antwort nicht weiß?

Dann fragt man meistens, nachdem man eine Weile auf eine Antwort gewartet hat „Kannst Du mich hören?“, „Ist die Verbindung schlecht?“ oder „Soll ich meine Frage noch einmal wiederholen?“, um herauszufinden, was los ist. Letztlich fand Helen heraus, dass Studenten oft einfach nicht wissen, was sie sagen können, wenn sie etwas nicht verstanden haben.

Deshalb hier ein paar Vorschläge, was man in solchen Fällen sagen kann, zum Beispiel:
“Die Skype-Verbindung ist schlecht!”
“Kannst du das bitte wiederholen?”
“Es tut mir leid, ich habe Probleme, deinen Akzent zu verstehen!”
“Kannst du das bitte etwas langsamer sagen?”
„Kannst du bitte etwas langsamer sprechen?“
“Kannst du die Frage wiederholen?”
„Ich verstehe den Sinn der Frage nicht.“
“Kannst du die Frage etwas anders stellen?”
“Kannst du das anders formulieren?”
“Kannst du das anders ausdrücken?”
“Ich kenne das Wort xyz nicht.”
“Was meinst du mit diesem Ausdruck? Ich verstehe ihn nicht.”
“Lass mich sicherstellen, dass ich dich richtig verstanden habe. Hast du mich gefragt, ob …?”

Wenn man die Antwort nicht kennt, kann man beispielsweise folgende Ausdrücke gut gebrauchen:
„Ich weiß es nicht.“
„Keine Ahnung.“
„Vielleicht.“

„Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube …“
„Ich habe noch nie etwas davon gehört.“
„Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht.“
„Kleinen Moment. Ich überlege noch.“

„Das kann ich nicht beantworten.“
„Die Frage lässt sich nicht so einfach beantworten.“
„Muss ich das wissen?“
„Warum fragst du das?“

Ich denke, für alle Studierenden wäre es sehr nützlich, wenn sie sich diese Sätze als LingQs abspeichern, vielleicht unter einem speziellen Tag, also einem Stichwort, und diese gelegentlich nachschlagen. Das Tag könnte z. B. „Gesprächshilfe“ heißen.

Danke an Helen, dass sie diese Ideen mit uns geteilt hat. Die Vorlage zu diesem Text, den ich allerdings leicht geändert und ergänzt habe, findet man in Helens Blog, der auf Englisch geschrieben ist.

Ich wünsche dir viel Spaß bei Gesprächen und vor allem keine Angst vor Gesprächen. Alle Betreuer sind wirklich nett und helfen dir gerne.

 

Text und Audio dieses Beitrages findet man auch in der Sammlung „Veras Corner“ in der deutschen Bibliothek von LingQ:
http://www.lingq.com/learn/de/store/lesson/79735

Hier der Link zu Helens Blog-Eintrag:
http://tracesofdodo.blogspot.com/2010/05/what-to-say-when-words-fail-you-part-2.html