Wie oft sollte man sich einen Text anhören?

Tamman erzählte vor einiger Zeit im Forum von LingQ, dass er seit ein paar Monaten Deutsch studiert und nun langsam den Bogen raus hat. 90 Prozent seiner Zeit verwendet er aufs Hören und die restlichen 10 Prozent aufs Lesen. Er spricht und schreibt aber noch nicht. Anfangs hatte er Dialoge bis zu hundertmal angehört, bis er ein Gefühl dafür entwickelt hatte und es von etwas Undefinierbarem zu etwas wurde, was einen Sinn für ihn ergab. Im Moment ist er bei etwa vierzig- bis fünfzigmal angelangt. Wie auch immer, findet er nun manche Dialoge zu einfach und er hat nach ein- bis fünfmaligem Hören den Eindruck, sie bereits zu können. Er möchte einerseits gerne die einfachen Dialoge beenden, um eine solide Basis zu erwerben, um dann mit interessanteren Sachen wie Nachrichten und Kurzgeschichten weitermachen zu können; andererseits ist es ihm langsam etwas zu langweilig, einen Dialog so oft anzuhören, weil er schon alle Wörter kennt und sie nur in verschiedenen Formen auftauchen.

Seine Frage war, wie oft man Lektionen anhören sollte und wann man mit einer neuen Lektion weitermachen sollte.

Steves Antwort war, dass er etwa zwei Monate mit Anfängermaterial verbringt, dieses dann viele Male anhört und dann zu authentischen Inhalten übergeht, auch wenn die Anzahl der neuen Wörter plötzlich dann viel höher ist. Steve meint, es wäre an der Zeit weiter zu gehen.

Ich habe einen ähnlichen Rat gegeben. Wenn man sich gelangweilt fühlt, dann sollte man einen Schritt weitergehen und Texte einer höheren Schwierigkeitsstufe in Angriff nehmen. Hier sollte man auf sein Gefühl vertrauen, das einem sagt, das ist langweilig, das ist zu leicht! Außerdem kann man leicht vorwärts gehen zur nächsten Schwierigkeitsstufe und dann wieder zurück, wenn einem danach ist. Ich denke, es zeigt eindeutig, dass man Fortschritte macht, wenn man sich von leichten Lektionen gelangweilt fühlt. Ich gebe zu, dass ich mir niemals hundertmal denselben Text anhören könnte.

Oscar hat insbesondere meinen Vorschlag des Vorwärts- und Zurückgehens aufgegriffen und erläutert, dass man, indem man von schwereren Lektionen wieder zurück zu einfachen Lektionen geht, die feinen Unterschiede in den einfachen Lektionen besser erkennen kann.

Tammans Antwort darauf hat mich inspiriert, hier diesen Beitrag zu schreiben. Zunächst beschreibt er, was er nun gemacht hat: Er hat sich einen Dialog mit etwa 200 unbekannten Wörtern herausgesucht. Davon hat er sehr viele LingQs angelegt. Er hat den Dialog drei- oder viermal gelesen und fünfmal angehört, was zwar nicht viel ist, aber seiner Meinung nach viel Zeit in Anspruch genommen hat. Dazu hat er gute zwei bis drei Tage gebraucht, aber er hat nun einen Eindruck davon bekommen, wo das Verb in längeren Sätzen oft steht. Dann ist er wieder zurückgegangen zum Anfängermaterial und hat einige Lektionen daraus bearbeitet. Tamman hat das Gefühl, dass dieses Vor- und Zurückspringen viele Vorteile hat:

1. Der Lernende bleibt motiviert. In den längeren Dialogen versteht Tamman nicht 100 Prozent des Gesagten, selbst wenn er alle Wörter im Text nachschlägt, aber das ist kein Problem für ihn, weil er stattdessen ein „Gefühl“ für die Sprache entwickelt und ihm bestimmte Dinge auffallen. Dann springt er zurück zu den einfachen Dialogen, von denen er 5 oder 6 in derselben Zeit erledigen kann, die er für einen schwierigen Dialog benötigt. Das hält ihn motiviert und gibt ihm das Gefühl, dass er vorankommt.

2. Das Vor- und Zurückspringen hilft, sich auf verschiedene Aspekte zu konzentrieren. Das Anfängermaterial hat hilfreiche, alltägliche Gespräche zum Beispiel wie man ein Formular ausfüllt oder wie man nach dem Status von jemand fragt. Die längeren, anspruchsvolleren Texte, entsprechen eher dem Stil von Nachrichten, einem Buch oder einer Dokumentation. Der Stil unterscheidet sich deutlich in beiden Arten von Lektionen. Zwischen diesen Stilen springt Tamman nun ständig vor und zurück. Gleichzeitig erwirbt er viele nützliche Wörter auf verschiedenen Schwierigkeitsstufen.

3. Das Vor- und Zurückspringen schärft das Bewusstsein, weil in den längeren Texten manchmal dasselbe Wort dreißigmal auftaucht, während man es in den einfachen Dialogen oft nur einmal sieht. Insbesondere bei Verben enthalten die schwereren Texte oft mehr verschiedene Formen desselben Wortes.

Tamman stellt dann fest, dass er die Freiheit, die das Studieren mit LingQ bietet, wirklich mag. Dieses Gefühl hatte er nie, während er in der Schule Sprachen lernte. Das Gefühl, die Kontrolle zu haben, gibt dem Lernenden Selbstvertrauen, später noch viel mehr Sprachen zu lernen. Außerdem macht so das Lernen viel mehr Spaß und Tamman meint, er liebt seine Deutschstudien wirklich.

Gerade das Letztere freut mich natürlich sehr. Auch ich kann das Gefühl sehr gut nachvollziehen, denn mir geht es genauso. Mir hat Sprachenlernen früher nie Spaß gemacht und jetzt ist es zu einem Hobby geworden, weil es mir viel Freude macht.

Hier noch eine Anmerkung in eigener Sache: Die von mir erstellten Anfängermaterialien in der Sammlung „Ab jetzt lerne ich Deutsch!“ sind von mir bewusst so gestaltet, dass dort nur einfache Satzstrukturen verwendet werden. Die Sätze sind immer möglichst kurz gehalten. Die Texte sind auch in Bezug auf die verwendeten Zeiten beschränkt, damit sich die Anzahl der Verbformen in Grenzen hält. Diese Beschränkung hat zu Anfang auch ihren Sinn, denn zu viele Formen werfen viele Fragen auf und können verwirren, wenn ich mit einer neuen Sprache beginne. In Veras Tagebuch für Anfänger bleibe ich bei einfachen Strukturen und einfachen Zeitformen, also meistens der Gegenwartsform, während ich dann dieselben Inhalte in Veras Tagebuch anspruchsvoller ausdrücke. Die Sätze werden komplexer und ich verwende auch häufiger die Zukunfts- oder Vergangenheitsform.

Ich selber wechsle beim Lernen ständig die Inhalte mit denen ich lerne und ich wechsle auch ständig zwischen leichten, mittleren und schwereren Inhalten, wobei mein Fokus beim Englischlernen auf mittelschweren Inhalten liegt, die allerdings leicht für mich sind, aber gerade diese Inhalte helfen mir, Strukturen besser zu verinnerlichen und meinen aktiven Wortschatz zu stärken. Vor- und zurückspringen kann also auf jedem Niveau hilfreich sein. Probiere es aus! Und denke daran: die Mischung macht’s.

Text und Audio dieses Beitrages findet man auch in der Sammlung „Veras Corner“ in der deutschen Bibliothek von LingQ:
http://www.lingq.com/learn/de/store/lesson/74566

Mamma Mia – Ein Kinoabend

Meine Tochter wollte gerne, dass wir einen Kinoabend machen. Ein Kinoabend ist in ihrer Vorstellung etwas ganz besonderes. Vielleicht erkläre ich mal, was sie sich darunter vorstellt. Nun für sie bedeutet es erstmal, dass wir einen Kinofilm anschauen. Wir gehen dafür aber nicht ins Kino, sondern schauen ihn uns zuhause an. Wir besitzen viele Filme auf DVD und haben so reichlich Auswahl. Weiter bedeutet es für sie, dass wir alle zusammen den Film schauen, es uns richtig gemütlich machen und dass es Popcorn gibt. Und letztlich bedeutet es, dass sie lange aufbleiben darf.

Letzten Samstag haben wir so einen Kinoabend gemacht. Die Entscheidung fiel für den Film „Mamma Mia“. Der Film „Mamma Mia“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Musicals. In dem Musical wurden die Hits der Musikgruppe Abba verarbeitet. Wir hatten kürzlich einen Fernsehbericht über den Grand Prix Eurovision gesehen und so kam uns die Idee, uns die Filmversion des Musicals noch einmal anzusehen. Beim Grand Prix hatte die Gruppe Abba ihren ersten großen Auftritt und auch ich hatte ihren Sieg mit dem Lied „Waterloo“ damals live gesehen. Obwohl ich im Gegensatz zu meiner Schwester nie ein Fan von Abba war, kannte ich doch die meisten ihrer Lieder vom Radio.

Den Film hatte ich zuvor schon zweimal im Kino und noch zweimal zuhause auf DVD gesehen. Der Film erzählt eine einfache Geschichte, aber die Lieder und die flotte Verfilmung sorgen für richtig gute Laune. Jedes Mal wenn ich den Film sehe, fühle ich mich hinterher richtig gut. Ich kann es gar nicht richtig erklären. Ich mag aber auch die Schauspieler und da sind an erster Stelle Meryl Streep und Pierce Brosnan zu nennen, aber auch alle anderen Schauspieler passen ausnehmend gut zu ihren Rollen.

Die Handlung ist einfach gestrickt. Die Hochzeit von Sophie, der Tochter von Donna, Besitzerin eines heruntergekommenen aber charmanten Hotels auf einer griechischen Insel, steht bevor. Sie kennt ihren Vater nicht, hat aber kürzlich das Tagebuch ihrer Mutter gefunden und entdeckt, dass drei Männer ihr Vater sein könnten. Heimlich lädt sie ihre drei potenziellen Väter zur Hochzeit ein. Es gibt allerhand Verwicklungen, aber die möchte ich hier nicht erzählen, falls jemand den Film noch nicht kennt und gerne schauen möchte.

Wir haben die deutsche Synchronisation geschaut, da meine Tochter und mein Partner noch nicht so gut Englisch sprechen. Die Lieder sind jedoch nicht synchronisiert, sondern mit deutschen Untertiteln versehen. Ich bin überrascht, wie gut ich inzwischen die englischen Lieder verstehe, wobei sicher auch positiv zu Buche schlägt, dass die Schauspieler alle ausnehmend klar singen und sehr gut zu verstehen sind. In Deutschland ist es üblich, dass alle Filme synchronisiert werden. Nicht synchronisierte Filme kommen nicht so gut an. Aber vor allem die Sender Arte und 3Sat senden oft im Zweikanalton, so dass man sich zwischen Deutsch und der Originalsprache entscheiden kann.

Wer keine Musicals mag, sei jedoch gewarnt. Es wird sehr, sehr viel gesungen und sehr wenig gesprochen. Die Handlung ist nicht anspruchsvoll, aber es darf gelacht werden! Wer Musicals und Popmusik mag, kommt hier aber voll auf seine Kosten. Wir hatten jedenfalls einen sehr schönen Abend und auch noch nach Tagen habe ich die Melodien im Kopf. Der Film macht richtig gute Laune! Selbst beim fünften Mal ist wieder dieses Glücksgefühl entstanden. Ich weiß nicht genau, warum dieser Film das bei mir auslöst, aber es ist ein schönes Gefühl und so genieße ich es, ohne es zu sehr zu hinterfragen.

Text und Audio dieses Beitrages findet man auch in der Sammlung „Veras Tagebuch“ in der deutschen Bibliothek von LingQ:
http://www.lingq.com/learn/de/store/lesson/72261
Eine einfache Kurzfassung findet man in der Sammlung „Vera’s diary for beginners„:
http://www.lingq.com/learn/de/store/lesson/72260

Sprachenlernen an der Volkshochschule

Letzte Woche habe ich mich mit meiner Betreuerin bei LingQ über die Volkshochschule in unserer Stadt unterhalten. Als ich ihr sagte, was unsere Volkshochschule so alles bietet, ist sie fast neidisch geworden. Sie lebt in England und dort gibt es kein vergleichbares Angebot.

Aufgabe der Volkshochschulen ist es, den Bürgern Bildungs- und Freizeitangebote zu einem günstigen Preis anzubieten. Volkshochschulen gibt es in ganz Deutschland und alleine im Umkreis von 20 Kilometern kann ich hier vier verschiedene Volkshochschulen besuchen. Man findet dort Kurse zu allen möglichen Themen wie zum Beispiel Kochen, Gesundheit, verschiedene Hobbys bis hin zur beruflichen Bildung. Ein Schwerpunkt an unserer Volkshochschule sind eindeutig die Computer- und Fremdsprachenkurse, wobei meine Betreuerin und ich uns natürlich naheliegenderweise über die Letzteren unterhalten haben.

Wie es der Zufall will, war dann auch noch ein Artikel über das neue Programm der VHS, wie die Volkshochschule kurz genannt wird, in der Zeitung. Und so habe ich mich entschlossen, diesen kleinen Bericht über unsere VHS zu schreiben. Unsere Stadt hat etwa 70.000 Einwohner und ist damit nicht besonders groß. Das Kursangebot mit 558 Kursen ist dagegen wirklich beachtlich. Davon sind allein 194 Kurse den Sprachen gewidmet. Nicht weniger als 24 Fremdsprachen kann man an unserer VHS lernen. Neben den gängigen Sprachen Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch sind darunter auch nicht ganz alltägliche Sprachen wie irisches Gälisch, Eritreisch, Hebräisch oder Thailändisch.
Für 32 Stunden bezahlt man 71,40 Euro wobei eine Stunde nur 45 Minuten entspricht. Eine volle Stunde kostet dann umgerechnet rund 3 Euro. Dafür teilt man sich hier den Lehrer mit 10 oder mehr Teilnehmern.

Die Kurse werden auf verschiedenem Niveau angeboten und orientieren sich am Referenzrahmen des Europarates für das Sprachenlernen. Die Niveaus sind A1, A2, B1, B2, C1 und C2, wobei das Niveau A1 die Kurse für Anfänger umfasst, während C2 für Fortgeschrittene steht.

Außerdem werden über 40 Kurse für den Erwerb der deutschen Sprache angeboten. Studierende müssen im Zuge des „Bologna“-Prozesses Sprachkenntnisse auf einem bestimmten Mindestniveau nachweisen und deshalb arbeiten die Universität und die Fachhochschule hier mit der Volkshochschule zusammen. Der „Deutschtest für Zuwanderer“ wird wegen des großen Zuspruches mittlerweile fünfmal pro Jahr angeboten.
Arbeitnehmern in Deutschland steht alle zwei Jahre ein Bildungsurlaub von fünf Tagen zu. Man wird vom Arbeitgeber beurlaubt, wenn man anerkannte Kurse besucht. An unserer VHS ist es möglich, während des Bildungsurlaubs zum Sprachenlernen unter anderem nach Schottland, Island und Spanien zu fahren. Das ist dann allerdings wegen der Reisekosten nicht mehr ganz so günstig.

Besonders interessant finde ich die „Weltenbummler-Abende“, die Eindrücke von fremden Ländern vermitteln möchten. Einmal im Monat präsentieren verschiedene Referenten Kunst, Kultur und auch die Küche eines bestimmten Landes. So kann man Aspekte des Landes kennenlernen ohne hinreisen zu müssen. In den nächsten Monaten stehen die Länder Persien, Argentinien, Schottland und Island auf dem Programm.

Also ich finde das Angebot unserer Volkshochschule wirklich beachtlich. Für Menschen, deren Eigenmotivation nicht sehr hoch ist oder die das Gruppengefühl mögen ist das eine tolle Möglichkeit, zu einem verhältnismäßig günstigen Preis Sprachen zu lernen. Die Kursleiter sind auch oft Muttersprachler. Ein Nachteil ist allerdings, dass man auch der schlechten Aussprache der anderen Teilnehmer ausgesetzt ist. Ich selber bevorzuge das selbstbestimmte Sprachenlernen bei LingQ. Darüber habe ich schon in einem Video gesprochen und der Beitrag darüber befindet sich auch in dieser Sammlung.

Text und Audio dieses Beitrages findet man auch in der Sammlung „Veras Corner“ in der deutschen Bibliothek von LingQ:
http://www.lingq.com/learn/de/store/lesson/70654

Schüleraustausch bringt einem fremde Kulturen näher

Gestern sah ich mir gemeinsam mit meiner Tochter eine Sendung im Kinderprogramm an. Es ging um das Thema Schüleraustausch. Zunächst wurden deutsche Austauschschüler vorgestellt. Vor dem Austausch besuchten die Jugendlichen einen Kurs, in dem sie auf die Besonderheiten des Gastlandes hingewiesen wurden. Interessant fand ich, dass erklärt wurde, dass amerikanische Eltern erwarten, dass Anweisungen genau und ohne Diskussionen befolgt werden. In Deutschland spielt sich das nach meinem Gefühl anders ab. Hier wird versucht, Jugendliche zur Diskussion zu ermutigen und zu eigenständigem Denken und Handeln, spätestens ab einem Alter von 16 oder 17 Jahren. Das amerikanische Eltern da so strikt sind, war neu für mich.

Ein Mädchen kam für ein halbes Jahr zu einer Gastfamilie nach Kalifornien. Nachdem sie zuerst unter großem Heimweh litt und alles ganz furchtbar fand, gefiel es ihr am Ende so gut, dass sie am liebsten dort geblieben wäre. Ein Lehrer der amerikanischen Schule erzählte, dass die deutschen Austauschschüler von allen Austauschschülern am wenigsten Probleme mit der englischen Sprache hätten. Das Mädchen berichtete noch, dass der Sportunterricht dort nicht zu vergleichen wäre mit dem Unterricht in Deutschland. Dort ständen z. B. auch Spazierengehen und Bowling auf dem Programm, was bei uns Freizeitbeschäftigungen sind.

Ein deutscher Jugendlicher war zum Austausch in Sydney. Ihm hingegen gefiel es von Anfang an ausgesprochen gut dort. Er fand toll, dass die Australier so sportbegeistert sowie sehr offen und gastfreundlich sind.

Im Gegenzug wurden dann Jugendliche befragt, die in Deutschland zum Schüleraustausch waren.

Ein Mädchen aus Malaysia erzählte, dass sie gewöhnt war, von morgens bis abends in der Schule zu sein und anfangs nicht wusste, was sie in ihrer Freizeit machen sollte. Nach einiger Zeit lernte sie, ihre Freizeit aktiv zu gestalten und sie erzählte, dass sie sehr gerne Karten spiele und es toll finde, dass in Deutschland viel Karten gespielt wird. Befremdlich fand sie, dass sich in Deutschland häufig auf der Straße geküsst wird. In ihrer Heimat sieht man selten küssende Menschen auf der Straße.

Ein Mädchen aus Kolumbien sprach ausgezeichnetes Deutsch. Sie erzählte, dass ihr aufgefallen sei, dass in Deutschland sehr viele Taschentücher benützt werden. Anfangs konnte sie das nicht verstehen, bis sie mit dem deutschen Wetter und den damit einhergehenden häufigen Erkältungen vertrauter war. Sie zog dann die Nase hoch. Als ihre Gastmutter sie bat, Taschentücher zu nehmen, war ihr das sehr peinlich. Ich finde, es muss ihr nicht peinlich sein. Woher soll sie so etwas wissen, wenn in ihrem Land andere Dinge üblich sind? Wir würden uns in ihrer Heimat vermutlich auch nicht immer korrekt benehmen. Außerdem musste sie erfahren, dass Pünktlichkeit in Deutschland hoch angesehen ist. Sie erfuhr, dass Busse pünktlich fahren und man auch ansonsten sehr pünktlich ist. Anfangs verpasste sie oft den Bus und kam zu spät, aber später wusste sie Pünktlichkeit zu schätzen und fand sie gut.

Einem Jungen aus der Türkei fielen besonders die verschiedenen Haarfarben und Haarschnitte auf. Eine solche Vielfalt war er aus der Türkei nicht gewohnt.

Die Sendung hat bewusst gemacht, dass es nicht nur wichtig ist, die Sprache eines anderen Landes zu erlernen, sondern auch dessen Kultur zu verstehen und zu akzeptieren, wenn man sich dort wohl fühlen will. Man sollte offen für fremde Kulturen und Sitten sein, ansonsten hat das Lernen von Fremdsprachen in meinen Augen nicht viel Sinn. Bevor man in ein fremdes Land fährt, sollte man sich unbedingt mit den Sitten und Gebräuchen vertraut machen.

Text und Audio dieses Beitrages findet man auch in der Sammlung „Veras Corner“ in der deutschen Bibliothek von LingQ:
http://www.lingq.com/learn/de/store/lesson/68973

Warum ich leichte Lektionen mag

Jemand machte vor einiger Zeit einmal im Forum von LingQ eine etwas verächtliche Bemerkung über mein Lernen und meine Lernfortschritte. Offensichtlich hatte er beobachtet, dass ich bei LingQ oft leichte Lektionen studiere und dass die Anzahl meiner bekannten Worte nicht besonders hoch ist und auch nur langsam steigt. Diese Beobachtungen sind durchaus richtig. Und ich gebe zu, dass ich nicht nur bei LingQ leichte oder leichtere Inhalte wähle, ich höre mir auch gerne Podcasts an, bei denen ich keinerlei Mühe habe, den Inhalt zu verstehen. In Bezug auf das Vokabular sind diese Podcasts wirklich leicht für mich und ebenso auch, was das Sprechtempo anbetrifft z. B. der ESLPod-Podcast.

Ich ziehe trotzdem sehr großen Nutzen aus diesen leichten Beiträgen. Ich muss mich beim Hören nicht auf das Verstehen konzentrieren, weil mir die Wörter vertraut sind. Dadurch kann ich meinen Fokus auf die Struktur der Beiträge lenken. Ich kann viel besser wahrnehmen, wie die Sätze aufgebaut sind und nützliche Phrasen erkennen und mir einprägen. Vermutlich würde ich die bei schweren Podcasts gar nicht identifizieren. Ich höre diese Podcasts also schon sehr bewusst und diese sind nicht einfach nur ein Hintergrundgeräusch für mich.

Ein weiterer Aspekt des Sprachenlernens ist die Aussprache. Langsam gesprochene Beiträge sind ideal, um die Aussprache zu üben. Ich kann einfach versuchen mitzusprechen und mich so an den Klang und den Rhythmus der Sprache gewöhnen. Die Aussprache des Englischen ist eine große Herausforderung für mich und manchmal habe ich das Gefühl, einen Knoten in der Zunge zu haben, aber je mehr ich englisch spreche, umso leichter fällt es mir.

Ich hatte übrigens diesen Beitrag schon geschrieben, aber noch nicht vertont, bevor jemand im Forum von LingQ einen Beitrag über die Simulgan-Methode eingestellt hatte. Diese Methode funktioniert nur mit leichten und nicht zu schnell gesprochenen Beiträgen. Sie entspricht genau meinem Vorgehen. Man versucht dabei simultan oder nahezu simultan mitzusprechen. Genau das tue ich, wenn ich die Aussprache übe. Durch das Nachsprechen des Wortes geht es einem leichter über die Lippen. Die Aussprache ist mir zwar momentan nicht so wichtig, aber ich trainiere sie gelegentlich mit dieser Methode. Durch das Nachsprechen prägen sich Wörter aber auch besser ein.

Ein wichtiger Effekt des Hörens vieler leichter Beiträge ist, dass sich das Gelernte festsetzt; es sackt besser, wie man so sagt. Wenn ich ein Wort in verschiedenen Beiträgen gehört habe, eingebettet in verschiedene Sätze, dann prägt es sich einfach besser ein. Durch die Wiederholung gelangen viele Wörter von meinem passiven Wortschatz in meinen aktiven Wortschatz. Einfache Podcasts geben mir hier die Möglichkeit, ausreichend nachdenken zu können, während der Podcaster spricht. Oft fällt mir zwischendurch ein, in welchem Zusammenhang oder in welchem Podcast ich das Wort schon einmal gehört habe und das hilft mir dann später mich wieder an dieses Wort zu erinnern.

Ich möchte nicht auslassen, dass ich darüber hinaus auch regelmäßig etwas schwerere Podcasts anhöre, die ich nie bei LingQ studiere oder bei denen ich nicht über den Text verfüge. Das ist einfach eine Frage der Zeit. Wenn ich eine Lektion bei LingQ studiere, mache ich das gründlich, das heißt ich erstelle dann wirklich zu allen unbekannten Wörtern einen LingQ und ich erstelle auch sehr viele LingQs zu Phrasen, die mir gefallen und die ich für nützlich halte. Diese LingQs kann ich dann mit der täglichen E-Mail wiederholen und sie prägen sich mir besser ein.

Die Podcasts, die ich nicht bei LingQ studiere, erscheinen natürlich nie in meiner Statistik. Trotzdem lerne ich alleine durch das Hören viele neue Wörter, da man im Zusammenhang doch oft die Bedeutung von unbekannten Wörtern erraten kann.

Ich habe das Gefühl, dass der Unterschied zwischen meinem aktiven und passiven Wortschatz durch meine Art des Lernens relativ klein ist. Ich schätze, dass ich 80 Prozent meines passiven englischen Wortschatzes aktiv verwenden kann.

Ein Grund ist vielleicht die erwähnte Simulgan-Methode, also das simultane Mitsprechen.

Ein anderer Grund ist sicher, dass ich die Schwierigkeit der Texte eher langsam steigere. Einmal gelernte Wörter vergesse ich nicht so leicht wieder, da ich durch die Menge an Podcasts, die ich höre, eine häufige Wiederholung habe. Ich höre mir zwar selten Beiträge noch einmal an, die ich bereits gehört habe, aber dadurch, dass ich viele Beiträge auf mittlerem Niveau höre, ergibt sich eine häufige Wiederholung der wichtigsten und gebräuchlichsten Wörter und Phrasen.

Meine Fortschritte im Schreiben und Sprechen bestätigen, dass ich mit diesem Vorgehen sehr erfolgreich bin. Man sollte sich lieber auf sein Gefühl verlassen, als auf die bloßen Zahlen, sobald man das Mittelstufenniveau erreicht hat. Was nützen einem 20.000 oder 30.000 bekannte Worte, wenn der aktive Wortschatz niedrig ist und wenn man nicht fähig ist, sich auszudrücken? Wie ich anfangs erwähnte, hatte ich das Gefühl, dass da jemand etwas verächtlich auf meine Statistik schaute, aber die Statistik bei LingQ spiegelt in keinerlei Weise meine Fähigkeiten im Schreiben und Sprechen wider und den Fortschritt, den ich erzielt habe, zumal ich ja neben den Aktivitäten auf LingQ auch viel lese und mir viel anhöre und sich das nicht in der LingQ-Statistik widerspiegelt.

Text und Audio dieses Beitrages findet man auch in der Sammlung „Veras Corner“ in der deutschen Bibliothek von LingQ:
http://www.lingq.com/learn/de/store/lesson/67953