Raubt Schule die Freude am Englisch lernen?

Als ich Schüler war, habe ich Englisch nie gemocht, um nicht zu sagen, ich habe es gehasst. Es hat mir keinen Spaß gemacht. Das liegt nun mehr als 30 Jahre zurück. Doch nun wurde mir wieder vor Augen geführt, warum das so war.

Ich hatte damals einen überaus netten und motivierten Lehrer, durch den mir der Unterricht nicht total zur Hölle geriet. Er hat versucht, unser Interesse an Englisch zu wecken. Und ich glaube, ich hatte anfangs durchaus Lust und Interesse Englisch und später auch Französisch zu lernen. Aber die Schule hat mir diese Lust gründlich ausgetrieben. Und das, woran ich damals scheiterte, existiert leider auch heute noch in unseren Schulen, wie ich an meiner Tochter sehen kann.

Sie hatte bereits in der 3. und 4. Klasse der Grundschule Englischunterricht, aber in der Grundschule wird in diesem Fach nur spielerisch gearbeitet. Das Ergebnis war, dass meine Tochter nach zwei Jahren Englischunterricht nur die Zahlen kannte, einige Tiere und Farben bezeichnen konnte und einige wenige Ausdrücke kannte. Meiner Meinung nach hätte sie das ohne Anstrengung in ein oder zwei Monaten lernen können, aber das soll hier nicht das Thema sein.

Als ich mir ihren letzten Englischtest angeschaut habe, war ich erschrocken. Und zwar war ich erschrocken darüber, was und wie getestet wurde, denn das zeigt ja deutlich, auf was im Unterricht Wert gelegt wird. Getestet wurden vor allem Rechtschreibung und Grammatik. Klar, das sind Dinge, die man gut abprüfen kann. Aber wie wirkt sich das aus? In diesem Fall war es so, dass dieser Test extrem schlecht ausfiel. In einer Klasse mit 26 Schülern gab es allein neun Fünfen und eine Sechs. Die Lehrerin ist der Meinung, der Test sei nicht schwer gewesen. Möglicherweise war er das nicht. Darüber will ich gar nicht urteilen. Fakt ist jedoch, dass den Kindern nahe gebracht wird, dass Grammatik und Rechtschreibung essenziell wichtig beim Erlernen einer Fremdsprache sind und wenn man diese nicht beherrscht, man die Sprache auch nicht beherrscht. Denn nur das wurde in diesem Test abgeprüft.

Vielen Kindern wird es nun so gehen wie einst mir. Sie werden den Spaß am Englischunterricht verlieren und sich für „unbegabt“ halten. Ich dachte jahrelang, ich hätte kein Talent zum Fremdsprachenlernen. Nun, wo ich Englisch bei LingQ lerne, merke ich, dass ich durchaus Talent habe. Ich spreche mittlerweile fließend Englisch, vielleicht nicht perfekt, aber durchaus auf hohem Niveau. Also lag vieles bei mir auch daran, wie Englisch in der Schule unterrichtet wurde. Den Schwerpunkt auf Hören, Lesen und dann Sprechen zu legen ohne groß über Grammatik nachzudenken hat dazu geführt, dass ich in einem Jahr bei LingQ mehr Englisch gelernt habe, als in acht Jahren in der Schule und dass ich heute fließend sprechen kann, wovon ich früher nur träumte.

Dabei will ich keinesfalls die Bedeutung von Rechtschreibung und Grammatik leugnen und ich finde auch das Lernen von Grammatik wichtig. Aber das Hauptaugenmerk auf die Grammatik zu legen, das finde ich fatal. Vor allem, wo diese Kinder erst seit einem halben Jahr ernsthaft Englisch lernen. Ich vermute, es wird deshalb gemacht, weil man Grammatikkenntnisse relativ gut objektiv abprüfen kann. Aber rechtfertigt das den Schaden, der bei vielen Schülern dadurch angerichtet wird, nämlich dass sie das Fach ablehnen und nicht mehr mit Freude lernen? Ich bin immer gerne zur Schule gegangen und habe gerne gelernt. Aber Englisch habe ich gehasst. Nun weiß ich warum.

Ich bin mir sicher, es wird viele geben, die meine Meinung nicht teilen werden und finden, dass die Tests sein müssen. Ich schreibe hier über MEINE persönlichen Erfahrungen und ich schildere, wie sich der Englischunterricht bei mir ausgewirkt hat. Für mich kann ich die Frage in der Überschrift eindeutig mit „ja“ beantworten.

 

Text und Audio dieses Beitrages findet man auch in der Sammlung „Veras Corner“ in der deutschen Bibliothek von LingQ, Folge #042, Raubt Schule die Freude am Englisch lernen?
http://www.lingq.com/learn/de/store/lesson/128779

Praxistest Englisch

Veras Corner ist ja mein Sammelpunkt für alles Mögliche, das mit Sprachenlernen zu tun hat. Da ich jetzt in den USA war, denke ich, Euch könnten meine persönlichen Erfahrungen interessieren.

Ich habe ja Englisch vor mehr als 30 Jahren in der Schule gelernt und dann praktisch nie anwenden können. Ich habe ein wenig Englisch für technische Handbücher über Computer und Programmierung benötigt, aber das war über viele Jahre hinweg mein Hauptberührungspunkt mit der englischen Sprache.

Etwa 1990 habe ich dann eine zweiwöchige Reise nach Florida unternommen und vor etwa vier oder fünf Jahren war ich für ein langes Wochenende in England. Bei beiden Gelegenheiten habe ich aber kaum Englisch gesprochen.

Die Reise in die USA hatte ich seit mehreren Jahren geplant und deshalb habe ich auch vor zweieinhalb Jahren angefangen, wieder Englisch zu lernen. Ich habe praktisch ganz von vorn angefangen. Vor etwa zwei Jahren bin ich auf LingQ gestoßen und lerne seitdem mit der Webseite und den Tutoren von LingQ.

Ich war nun sehr gespannt, ob sich meine Anstrengungen gelohnt haben und ich kann es Euch verraten: es hat sich gelohnt!

Es gab mehrere Situationen in denen ich richtig froh war, inzwischen nahezu fließend Englisch zu sprechen, zumindest wenn es um alltägliche Themen geht. Dabei waren die Fragen des Beamten der Einwanderungsbehörde noch unkritisch. Sehr gefragt waren meine Englischkenntnisse als wir Probleme beim Ausleihen des Mietwagens hatten und als wir einen Arzt aufsuchen mussten. Beim Arzt musste ich einen mehrseitigen Bogen mit allen möglichen Fragen ausfüllen. Bis auf drei oder vier Worte kam ich damit sehr gut klar.

Hilfreich war auch, dass ich mehrmals von unterwegs schon die Hotels anrufen konnte, um ihnen mitzuteilen, dass wir spät ankommen würden. Durch die Gespräche mit den Betreuern bin ich gewohnt, auch am Telefon Englisch zu sprechen und vor allem auch zu verstehen. Mein Hörverstehen war sehr schlecht als ich zu LingQ kam, hat sich aber durch regelmäßiges Hören von Podcasts und eine Unmenge an Gesprächen mit Betreuern stark verbessert.

Ich spreche normalerweise dreimal pro Woche für jeweils 30 Minuten mit einem Betreuer. Anfangs reichten mir 15 Minuten pro Woche. Da hatte ich Mühe, genug Worte für 15 Minuten zu finden und war immer erleichtert, wenn die Zeit um war. Heute erscheinen mir selbst 30 Minuten ziemlich kurz. Es macht mir sehr viel Spaß mein Englisch immer wieder auszuprobieren.

Besonderen Spaß gemacht haben mir Gespräche mit Leuten, die wir getroffen haben. Ich habe gemerkt, dass ich die meisten Amerikaner sehr gut verstehen kann. Probleme hatte ich manchmal mit Amerikanern asiatischer oder südamerikanischer Herkunft, da diese oft eine schlechtere Aussprache hatten als ich.

Außerdem konnte ich mein Englisch an den zahlreichen Broschüren erproben, die wir in den Nationalparks erhalten haben.

Alles in Allem hat sich nicht nur die Reise gelohnt, auch meine Englischkenntnisse haben sich bewährt. Ich bin auch überzeugt, dass so eine Reise viel mehr Spaß macht, wenn man die Landessprache ein wenig spricht.

Einen ausführlichen Bericht zu meiner USA-Reise werde ich übrigens in den nächsten Wochen veröffentlichen. Es können auch Monate werden, befürchte ich, bis ich alle Texte geschrieben habe, für die allerdings schon ein Rohentwurf besteht. Dann müssen die Texte noch aufgenommen werden und parallel dazu möchte ich in meinem neuen Blog „Veras Reisen und mehr“ ein paar Bilder und Videos online stellen. Ich hoffe, dass Euch das gefallen wird, denn es macht mehr Arbeit als ich dachte, es macht aber natürlich die Berichte viel anschaulicher. Trotz der vielen Arbeit macht es mir auch Spaß und es lässt mich meinen Urlaub immer wieder neu erleben. Nicht zuletzt wird dieser tolle und erlebnisreiche Urlaub auch dadurch eine bleibende Erinnerung für mich sein.

 

Text und Audio dieses Beitrages findet man auch in der Sammlung „Veras Corner“ in der deutschen Bibliothek von LingQ, Folge #35, Praxistest Englisch:
http://www.lingq.com/learn/de/store/lesson/86090

 

Mein neuer Blog „Veras Reisen und mehr„:
http://verasreisen.posterous.com/