Deutsche Bibliothek: Der Kinofilm „Almanya – Willkommen in Deutschland“

Kürzlich haben wir uns im Kino den Film „Almanya – Willkommen in Deutschland“ angeschaut. In diesem Film wird am Beispiel einer türkischen Familie gezeigt, wie in den 50er und 60er-Jahren Türken als Gastarbeiter nach Deutschland geholt wurden. Der Film wurde nur in einem kleinen Programmkino gezeigt, nicht in einem der großen Kinos. Es ist wahrscheinlich kein Film für die Masse. Der Film wird wohl vor allem die ansprechen, die bereit sind, sich offen mit der jeweils anderen Kultur auseinanderzusetzen. Das geschieht in diesem Film auf eine ausgesprochen humorvolle und wirklich witzige Art, wobei er auch seine ernsten Seiten hat.

Der Film selber wurde auf der Berlinale, dem bekannten Berliner Filmfestival, außer Konkurrenz gezeigt. Buch und Regie stammen von zwei türkischen Schwestern, die darin nicht zuletzt auch ein wenig Familiengeschichte verarbeiteten. Der Film wurde auch im Kinderkanal vorgestellt. Dadurch wurde ich auf den Film aufmerksam. Ich fand die gezeigten Szenen sehr witzig. Das Zusammenleben der Kulturen ist für mich auch immer ein interessantes Thema, zumal auch in der Klasse meiner Tochter etliche ausländische Kinder sind. Deshalb wollte ich den Film gern sehen.

Der Film beginnt damit, dass sich der kleine Cenk fragt, ob er nun Türke oder Deutscher ist, denn davon hängt ab, zu welcher Fußballmannschaft seiner Klasse er gehört. Seine Kusine Canan erzählt ihm dann episodenhaft und in Rückblenden, wie es kam, dass die Familie nach Deutschland übersiedelte.

Nach vielen Jahren in Deutschland haben die Großeltern sogar den deutschen Pass beantragt. Der Alptraum des Großvaters ist super: In diesem muss er versprechen, dass er als Deutscher nun zweimal pro Woche Schweinebraten isst und alle zwei Jahre in Mallorca Urlaub machen wird. Wunderbar, wie da Klischees über uns Deutsche verarbeitet wurden.

In der Gegenwart überrascht der Großvater die Familie damit, dass er ein Haus in der Türkei gekauft hat. Die Familie ist erleichtert, dass es nur ein Haus für die Ferien sein soll. Wirklich zurück in die Türkei will nämlich inzwischen keiner mehr. Mit etwas Widerstand folgt schließlich die gesamte Familie dem Aufruf des Großvaters zu einem gemeinsamen Urlaub in der Türkei – und einige finden dabei etwas über ihre Identität heraus.

Cenks Vater ist der jüngste Sohn des Großvaters und er ist nicht nur mit einer Deutschen verheiratet, sondern er spricht auch besser deutsch als türkisch und steht der türkischen Kultur weniger offen gegenüber als seine deutsche Frau.

Mehr will ich hier nicht verraten. Ich finde den Film sehenswert und man sollte ihn sich selber anschauen. Und ich will hier Niemandem den Spaß verderben.

Aufschlussreich finde ich das Herausstellen der Vorurteile der Türken gegenüber den Deutschen, z. B. dass die Deutschen nur Kartoffeln essen und nicht sauber wären. Letzteres rührt daher, dass es in Deutschland keine Badehäuser – also Hamams – gibt. Auch das Entsetzen des einen Sohnes vor dem ans Kreuz genagelten Jesus, an den wir ja gewöhnt sind, wird humorvoll in Bilder umgesetzt. Andererseits werden dann Bräuche wie Geschenke und Christbaum von den Kindern an Weihnachten energisch eingefordert. Die Kinder unterweisen ihre Eltern erstmal, dass die Geschenke auch einzupacken sind.

Interessant fand ich, wie versucht wurde uns klarzumachen, wie Deutsch sich für die Türken angehört haben muss. Es wurde eigens eine Sprache entwickelt, die wie Deutsch klingt, aber für uns keinen Sinn ergibt. Viele Teile des Films sind in türkischer Sprache mit deutschen Untertiteln, aber manchmal wird umgeblendet und dann soll das Deutsch, dass man hört Türkisch sein. Für diese Szenen benötigte man diese extra entwickelte Sprache.

Ich war noch nie in einem Film, den sich so viele Türken angesehen haben. Erst da wurde mir bewusst, wie selten man doch Türken in unseren Kinos sieht, zumindest solche, die man sofort der türkischen Nationalität zuordnen kann. Es waren auffallend viele türkische Frauen mit dem typischen Kopftuch im Kino, ebenso wie viele türkische Kinder. Warum gehen Türken sonst nicht so oft ins Kino? Interessieren sie die Themen der Filme nicht? Ich weiß es leider nicht. Interessiert hätte mich am Ende, wie Türken diesen Film empfinden, inwieweit sie sich darin wieder erkennen oder sagen, nein, so ist das nicht.

Der Film ist eine Komödie. Trotzdem regt er zum Denken an. Natürlich sind nicht alle Türken so, genauso wie auch nicht alle Deutschen gleich sind. Aber ich denke, man kann einiges mitnehmen. Wie schon gesagt, wurden viele Klischees verarbeitet, aber auf eine ausgesprochen humorvolle Weise. Zumindest aber wird man gut unterhalten – wenn man sich auf den Film einlässt.

 

 

Text und Audio dieses Beitrages findet man auch in der Sammlung „Veras Corner“ in der deutschen Bibliothek von LingQ, Folge #040, Almanya – Willkommen in Deutschland
http://www.lingq.com/learn/de/store/lesson/116049

Sehenswerte deutsche Filme

Ich habe auf meinem Blog eine Liste mit einer Auswahl empfehlenswerter deutscher Filme (zum Teil auch Koprodukionen) erstellt.

Man findet sie hier:
http://learninggerman.posterous.com/pages/deutsche-filme

Aber auch die meisten ausländischen Filme sind sehr gut synchronisiert, d.h. wenn man einen bestimmten Film im Original mag, lohnt es sich, die deutsche Fassung anzuschauen! Nicht alle diese Filme entsprechen meinem Geschmack, aber ich versuche hier eine möglichst breite Auswahl zu bieten.